3:16

Max Lucado

Max Lucado gehört zu den bekanntesten christlichen Autoren unserer Zeit.

Max Lucado ist Pastor der Oak Hills Church in San Antonio, Texas. Er ist verheiratet, Vater von drei Töchtern und Autor mehrerer Bücher. Die Zeitschrift „Christianity Today“ zählt ihn zu den bekanntesten christlichen Autoren Amerikas. Seine Bücher erreichten bisher eine Gesamtauflage von über 50 Millionen Exemplaren und gewannen einige Preise. So erhielt Max Lucado beispielsweise dreimal den renommierten „Gold Medallion Christian Book of the Year Award“.

Daneben hat er sich auch mit dem Schreiben von christlichen Kinderbüchern einen Namen gemacht.

Seit 1991 ist Max Lucado auch im Hörfunk engagiert. Die Radiosendung „Upwords“, in der er jede Woche mit aktuellen Kurzpredigten zu hören ist, kann man auf über 1200 Radiostationen rund um die Welt empfangen.

Interview

Max Lucado über den „Hoffnungsdiamanten“ der Bibel

Bestsellerautor Max Lucado widmet sein jetzt in deutscher Sprache erschienenes Buch „3:16“ (Gerth Medien) der zentralen Botschaft der Bibel. Anhand von Geschichten und Beispielen erläutert der Autor die weitreichende Bedeutung der Worte aus Johannes 3,16 für das Leben der Menschen. Im Interview mit Michael Duduit, dem Redakteur des Internetportals preaching.com, sprach er über diesen Vers und seinen Auftrag als Prediger.

Duduit: Ihr neues Buch behandelt den Bibelvers in Johannes 3,16. Warum ist dieser Vers bis in die heutige Zeit hinein so beliebt?

Lucado: Ich denke, es ist ganz einfach die Hoffnung, die darin zum Ausdruck kommt – wir brauchen Hoffnung. Es gibt nichts Schlimmeres, als ein Leben in Hoffnungslosigkeit zu verbringen. Jemandem, der keine Hoffnung hat, erscheint der blaue Himmel grau. Johannes 3,16 ist eine Passage der Bibel, die diese Hoffnung in einfachen Worten verständlich macht.
Der Brief an die Gemeinde in Rom verdeutlicht Hoffnung, die Geschichte von Abraham verdeutlicht Hoffnung. Wenn Sie jedoch nur einen Satz hören möchten, gibt Ihnen Johannes 3,16 eine einfache Beschreibung: Gott liebt, Gott gab, wir glauben, wir leben. Genau darum geht es. Er ist einer der Verse, den sich jeder merken kann. Sie können ihn auf eine Serviette in einem Restaurant schreiben. Er hat sozusagen Hosentaschenformat. Ich denke, die darin vermittelte Hoffnung ist der Grund, weshalb dieser Vers heute immer noch so viele Menschen anspricht.

Duduit: Glauben Sie, dass uns diese Bibelpassage angesichts der Kultur, in der wir leben, und einiger Anforderungen, denen wir uns heutzutage stellen müssen, ganz besonders anspricht?

Lucado: Ja, davon bin ich fest überzeugt. Die Stelle ist uns deshalb so wichtig, weil sie uns zurück zum Kern unserer Existenz bringt. Es ist keine Passage, die eine gesellschaftliche Kontroverse oder eine doktrinäre Spaltung hervorruft. Egal, ob wir nun Katholiken oder Protestanten oder Pfingstler sind – dieser Stelle können alle zustimmen, genau hier findet man eine gemeinsame Grundlage. Und ich liebe diese Stelle, weil sie uns zu dem zurückbringt, wozu wir bestimmt sind. Sie ist wie ein starker Magnet. Ich nenne sie auch den „Hoffnungsdiamanten“ der Bibel, denn sie erstrahlt wirklich in einem sehr hellen Schein.

Viele Menschen vertrauen uns Pastoren Woche für Woche ihre kostbare Zeit an. Es erstaunt mich immer wieder, dass die Leute mich dreißig Minuten lang über alles reden lassen, über das ich sprechen möchte. Dies ist ein wundervoller Schatz, den wir Prediger da verwalten müssen. Deshalb fühle ich mich wohl dabei, auf Passagen wie Johannes 3,16 zurückzukommen, weil diese genau das aussagt, was wir den Leuten jede Woche mit auf den Weg geben wollen.

Ich finde es aber sehr traurig, dass es nur so wenige Bücher gibt, die sich ausschließlich mit Johannes 3,16 beschäftigen. Ich warte immer noch auf E-Mails, die mich da korrigieren, aber ich konnte bislang nur zwei Büchern finden, die ausschließlich von Johannes 3,16 handeln. Ich war eigentlich davon ausgegangen, dass man mit der Literatur über diesen Vers ein ganzes Bücherregal füllen könnte. Natürlich wurde in den vergangenen Jahrhunderten oft über diesen Vers gepredigt, aber ein Buch entstand daraus nie.

Duduit: Ist Ihr Buch aus einer Predigtenreihe heraus entstanden?

Lucado: Alle meine Bücher basieren auf Predigten. Ich bin in erster Linie Pastor und dann erst Autor, auch wenn sich meine Rolle in der Gemeinde zunehmend ein wenig verändert. [...]

Duduit: Über welche Bibelstellen predigen Sie am liebsten?

Lucado: Mein Favorit war immer der 23. Psalm. Ich liebe es einfach, vor der Gemeinde zu stehen und zu sagen: „Ich werde mit einem Vers beginnen und Sie vervollständigen ihn. Der Herr ist mein ...“, und man hört die Leute sagen: „Hirte“. Jeder hat diesen Satz schon einmal gehört, deshalb liebe ich es, über diesen Psalm zu predigen. Und weil der Vers so bekannt ist, kann man immer tiefer in die Worte eintauchen und den Menschen neue Impulse zum Nachdenken mitgeben.

Mittlerweile ist Johannes 3,16 mein Favorit. Ich vermute, ich werde den Rest meines Lebens über diese Bibelstelle predigen. Billy Graham ist bekannt dafür, dass er einmal gesagt hat, er habe sein ganzes Leben lang versucht, ausschließlich über Johannes 3,16 zu predigen – denn dies ist der Bibelvers, der sein Leben bestimmt hat. Und gibt es einen besseren Vers, dem man sein ganzes Leben widmen könnte?

Duduit: Manchmal, wenn man eine bekannte Bibelstelle liest, springen einem ganz neue Dinge ins Auge. Hatten Sie auch solch ein Erlebnis?

Lucado: Hätten Sie mir die Frage gestellt, als ich gerade begann, mich mit Johannes 3,16 auseinanderzusetzen, hätte ich nicht das genannt, was nun mein Favorit ist. Mein Lieblingswort ist heute „jeder“. »Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.«

Ich liebe diesen Gedanken einfach – für wirklich jeden stehen die Tore des Himmels weit offen. Jedermann ist ein Jeder, wer nicht? Es ist eine fantastische Nachricht, wenn man einer Person sagen kann: „Wer auch immer du bist, was auch immer du getan oder erlebt hast – diese Einladung gilt auch für dich!“

Duduit: Haben Sie die Predigtreihe über Johannes 3,16 in Ihrer eigenen Gemeinde mehr als Evangelist oder als Seelsorger gehalten, also eher für Gemeindeferne oder für Christen?

Lucado: Ich ging bei dieser Predigtenreihe davon aus, dass ich zu einem interessierten Nichtchristen spreche – zu jemandem, der interessiert genug ist, um in die Gemeinde zu kommen, jedoch nicht genug daran interessiert ist, um auch tatsächlich eine Entscheidung für Gott zu treffen. Genau um diese Menschen ging es mir.

Ich sprach von der Veränderung, die sich vollzieht, wenn man daran glaubt, dass Gott einen liebt. Ich sprach von der Kraft des Ausdrucks einziger Sohn – was unterscheidet Jesus von jedem anderen Menschen? Dieses Wort einzig: In gewisser Hinsicht sind wir alle Gottes Kinder – Jesus wird Gottes einziger Sohn genannt, denn er ist Gottes einziges „genetisches“ Kind. Er trägt die wahre Essenz Gottes in sich. Was wir über Gott sagen, sagen wir über Jesus. Also steht und fällt das Versprechen mit der Identität Jesu.

»Dass jeder, der an ihn glaubt nicht verloren gehe.« Man könnte ein Jahr damit verbringen, nur über diesen Satz zu sprechen. An ihn: nicht an sie, nicht an sich selbst – an ihn glauben. Und dann dieser Blick in die Zukunft – „nicht verloren gehen“. Also verbrachte ich einige Zeit damit, darüber zu sprechen, ob es eine Hölle gibt und wenn ja, wie sie wohl aussieht.

Jeder Pastor sollte mal eine Predigtenreihe über Johannes 3,16 halten – und das sage ich nicht nur, weil ich ein Buch über diesen Vers geschrieben habe.

Duduit: Wie war die Resonanz auf Ihre Predigtenreihe?

Lucado: Phänomenal. Es war kein Zufall, dass 50 Prozent mehr Menschen in den Gottesdienst kamen als im Jahr zuvor. Die Besucherzahlen stiegen sprunghaft an.

Duduit: Die meisten Christen würden wohl sagen, dass sie Johannes 3,16 gut kennen, aber kaum einer hat einen Blick unter die Oberfläche geworfen.

Lucado: Ich denke, da haben Sie recht. Das Verb geben – was heißt der Ausspruch: Gott gab seinen Sohn? Hier bietet sich eine Gelegenheit, über die stellvertretende Sühne Christi zu sprechen. Der Ausspruch lässt vermuten, dass es einen Gott gibt – Sie beginnen also direkt mit dem Wort „Gott“. Also ist jedes Wort es wert, genau geprüft zu werden.

Duduit: Jedes Wort hat Sprengkraft.

Lucado: Das haben Sie sehr gut gesagt. [...]

Duduit: Pastoren lieben Illustrationen – Geschichten, die sie erzählen. Woher stammen Ihre Geschichten? In welchem Umfang entwickeln Sie diese Geschichten selbst?

Lucado: Ich denke, Geschichten sind wichtig für eine gute Predigt, weil sie den Gottesdienstteilnehmern die Gelegenheit bieten, sich ein wenig zu entspannen. Man verliert die Aufmerksamkeit der Menschen nie, wenn man den Satz „Lassen Sie mich Ihnen eine Geschichte erzählen“ sagt. Die Leute erinnern sich an die Geschichte. Sie sehen die Gemeindemitglieder vier oder fünf Tage später, und sie erinnern sich zwar nicht an die Kernaussage, doch sie sagen: „Das war eine lustige Geschichte, die Sie da erzählt haben“. Und wenn ich meine Aufgabe gut gemacht habe, dann transportiert die Geschichte auch eine geistliche Wahrheit.

Ich würde sagen, dass ich etwa die Hälfte meiner Geschichten selbst erlebt habe – ich versuche einfach, das Leben zu beobachten. Derzeit halte ich eine Predigtenreihe über den Himmel, und an diesem Sonntag werde ich von dem Tag erzählen, an dem unser Hund starb.

Es war ein trauriger Moment, ein schmerzlicher Moment, und ich erzähle davon, als wir in den Behandlungsraum des Tierarztes traten, wo man gerade unseren Hund einschläfern wollte. Dieser hörte uns kommen und begann, mit dem Schwanz zu wedeln. Seine Beine waren gelähmt, er war etwa 15 Jahre alt. Und ich sagte zu mir selbst: „Du weißt doch, dass der Tod einfach zum Leben dazugehört.“ Doch dann widersprach ich mir: „Nein, ist er nicht. Er war es nie. Deshalb tut es so weh.“

Das war also meine Illustration – und in der Predigt ging es dann darum, vom Sieg über den Tod zu erzählen. Wie gesagt, etwa die Hälfte meiner Illustrationen entspringen meinen eigenen Erfahrungen, doch ich besitze auch viele Bücher mit Illustrationsvorschlägen für Predigten, und ich liebe es einfach auch, gute Geschichten zu verwenden, die ich irgendwo gelesen habe. [...]

Quelle: Preaching magazine www.preaching.com. Used by permission. All rights reserved.